Seminare 2007

Seminarankündigung für UDK Berlin:

DER SCHÖNE RAUM
Vorträge, Lektüren und Spziergänge zu – Landschaftsästhetik, Raumkunst, Gartenbau, Erlebnisarchitektur und Atmosphäre.

Dienstag 16 – 18 Raum 150

FKÜ 1. Stunde 17. April // letzte Stunde 21. Juli

Scheinerwerb (nach Absprache) / möglich für bisherige Studienordnung wie auch für Bachelor- u. Masters-Studiengänge.

Erläuterung:

Bildende Künstler, Architekten, Landschaftsplaner, wie auch Bühnendarsteller oder Musiker kommen nicht darum herum, sich Gedanken über den Raum zu machen, in dem sie agieren, bzw. den sie durch ihr Agieren erst aufbauen. Auf diese Thematik hat z.B. Heidegger in seiner Galerierede für Chillida „Die Kunst und der Raum“. hingewiesen

Kunst und Raum stehen dabei in vielerlei Hinsicht in direkter Beziehung, die es aufzuschlüsseln gilt – Wir beginnen mit einer berühmten Reflexion Petrarcas, der die Wahrnehmung von „Landschaft“ als eines ihm zusagenden schönen Raumes mit belebender Wirkung zum ersten Mal beschreibt. Wir beschäftigen uns mit Joachim Ritters berühmtem Aufsatz „Landschaft“ und wir gehen überblicksweise durch die Geschichte des Parks von der Renaissance bis zu zeitgenössischen Anlagen.

Wichtig werden dann aber auch die Gebilde des technischen Raumes, also Architektur und Stadtlandschaft behandeln, öffentliche Plätze und Verkehrsräume, die ins Unüberschaubare wuchern, so dass die moderne City-Mall wieder als Verkleinerung und Zentrierung der Stadtlandschaft interpretiert werden kann.

Ein wichtiger Bestandteil des Seminars sind schließlich Fragen zur Atmosphäre, also dem Phänomen, dass jeder Raum Stimmungen auslöst und daher meist so beschrieben wird als „hätte“ er eine Atmosphäre. Was aber ist Atmosphäre? Wodurch wird sie beeinflusst? Sind Phänomene der „Festlichkeit“ oder der „Tristesse“ einer Umgebung an einzelnen Phänomenen zu lokalisieren? Was ist „Dekoration“? Inwiefern beeinflussen sich Stimmung und Atmosphäre? Leben wir am Ende gar nicht mehr hier oder dort, sondern „im Reich der Zeichen“? Ist unser Lebensgefühl bereits auf mediale Prozesse angewiesen? Kann man das Glück gewissermaßen räumlich „einrichten“ oder ist der Raum selber am Ende nur noch ein Geschehen, für das die Architektur immer ungegenständlichere Bühnen und Ambienteformen errichtet?

Insofern als das „Schöne“ eine mittlerweile sehr problematisch gewordene Kategorie ist, ist auch der Seminartitel provokativ. Denn vielleicht geht es gar nicht mehr um den „schönen“ Raum“ von dem wir uns in manchen Fällen verabschieden müssen. Andererseits könnten wir den „schönen Raum“ vielleicht auch wieder finden oder einrichten! Es lassen sich verschiedene Ansätze finden, die eine Besinnung auf das atmosphärische Moment des Raumes propagieren. Es lassen sich ästhetische Wahrnehmungsweisen beschreiben, die den gebauten Raum unserer Städte einer harschen Kritik unterziehen. Es gibt aber auch Reflexionen zu Bewegungsweisen, etwa dem Gehen, dem Fahren und dem Flanieren, die den Raum ganz unterschiedlich erleben lassen, bzw ganz unterschiedliche Räume erschließen. Schließlich gibt es Reflexionen, die davon ausgehen, dass „Raum“ womöglich gar kein strukturelles Gebilde, sondern eine Art des Geschehens ist, so dass sich feste Strukturen auflösen und dem ästhetischen neu überantwortet werden. Insofern ist heute jeder „Künstler“ mit seinem speziellen Beitrag am atmosphärischen Raum der Gegenwart beteiligt ob dieser nun ein überstrukturiertes Gewirr ist, wie nicht Wenige behaupten, oder aber ein dauerndes Fest.

Sollte sich die Gelegenheit ergeben, werden wir gelegentlich nicht nur reflektierend, sondern auch praktisch als Flaneure oder Spaziergänger Umgebungen testen und besprechen.

Scheinerwerb durch Referate, Hausarbeiten oder Vorbereitung von Spaziergängen nach Absprache.

Lektüre: R. Knodt Ästhetische Korrespondenzen, Reclam dort die Aufsätze „Atmosphären“ oder „Das Prinzip Mall“ (erh. bei Kiepert gegenüber UDK)
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Berlin
Thema: Ästhetische Korrespondenzen
Seminar an der Universität der Künste Berlin
Hardenbergstr. 33, Berlin, Raum 151
Zeit: Mittwoch 14 - 16 Uhr

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Bamberg
Thema: Natur und "technischer Raum"

Vorlesung und Seminar Universität Bamberg (14-tägig; 4-stündig)

Ort: An der Universität 2; (U2) Nähe Mensa Raum 230
ZEIT : Donnerstag 10-13 Uhr
Erstes Treffen: Donnerstag 19. Oktober 11 Uhr,
dann vierzehntägig jeweils 10 Uhr

Scheinerwerb durch Hausarbeit oder Co-Referat, siehe Referatliste
(Themenvergabe in den ersten beiden Sitzungen)

Erläuterung
Der technische Raum ist der Inbegriff der künstlichen, vom Menschen geschaffenen Welt der Produktion, des Wohnens und des Verkehrs einschließlich einer für diese geschaffenen technischen Zeit. Ihm gegenüber und in enger Verquickung zugleich steht „Natur“, über deren Begriff wir aber so manchem Missverständnis aufsitzen: Sind Gärten, Wälder und Alleebäume Natur? Sind unsere Naturgesetze letzten Endes nicht bloß technisch? Ist die Ökologie am Ende selber nur Technik? Und: wie sollen wir in einer technischen Welt vernünftig leben?

Wir beginnen mit Fragen zum technischen Alltag und mit Phänomenen unserer technischen Umgebungen und verbinden diese mit historischen Überlegungen. (Architektur und Städtebau, Verkehrsmittel, Wohn und Esskultur, Einkaufsmalls, Philosophie des Autos, Museeumskultur usf) aus der historischen Betrachtung ergibt sich notwendig die Frage einer Philosophie des technischen Raumes als Zusammenhang von „Technik“ und „Leben“.

Wichtige Fragen sind dann etwa die, ob wir zu einem „einfachen Leben“ zurückkehren können (Rousseau) oder wollen oder sollen, ob die Ökologie nicht vielleicht ein Missverständnis der „Natur“ ist, was „vernünftig leben“ im Unterschied zum „natürlich leben“ heißen könnte. Es wird um die Frage gehen , ob die „Technik“ ein Mittel ist oder ein Lebenszustand, (Gehlen, Scheler,) ob „Kunst“ nicht mehr ist als nur ästhetisches Beiwerk zum allgemeinen „technischen“ Betrieb (Heidegger) und was philosophisches Leben seit der Antike im Unterschied zu den verschiedenen Traditionen utopischer Lebensbefreiung (sowohl technisch wie religiös) ist.

Ein wichtiger Schritt könnte sein, dass wir die Notwendigkeit eines „ästhetischen Denkens“ erkennen, das aber über Kunst weit hinausgeht. Wir werden dabei Phänomene streifen wie Landschaft“, oder Fragen wie „was ist das Heilige?“, aber auch die Ökologie und eine Philosophie der Lebensführung.

Das Seminar gliedert sich in einen Vorlesungs – und einen Gesprächsteil. Eine erste grobe Gliederung wäre: 1.Technik – Natur – technischer Raum 2. ȁine Philosophie des Autos“– 3. Der neuzeitliche Raum (Galilei und Newton) und die Technik. – 3. Die „Wunde Kultur“ oder „Landschaft“ und „Garten“ als idealisierter natürlicher Raum 4.Entwürfe geopolitischer Räume des 20. Jh. (Von Carl Schmitt bis zu Karl Schlögel). 5. Die Zeit als technischer Raum (Kulturgeschichte und Entwicklungslogik) 6. Der „gestimmte Raum“ und Raum als „Geschehen“ (Hinweise zur Atmosphäre und Sakralität von Räumen). 7.Cyberspace und Medien als erweiterter technischer Raum.


Scheine können durch eine schriftliche Hausarbeit (wissenschaftlicher Stil) oder durch ein Referat (mit wissenschaftlichem Thesenpapier und Literaturangaben) erworben werden


Literaturangaben zur Vorbereitung

  • Carl Schmitt, Land und Meer (1942 ff.) Sigfried Giedion: Die Herrschaft der Mechanisierung, Frankf. a.M. 1987 Karl Schlögel: Im Raume lesen wir die Zeit (Über Zivilisationsgeschichte) Hanser, 2003; Bollnow, Otto F.: Mensch und Raum (c.1963), 5. Aufl., Berlin u. Mainz 1984. Dux Günter: Die Zeit in der Geschichte Frankf. 1989. Borst, Arno: Lebensformen im Mittelalter, Berlin (c.1973), 1979
  • Heidegger Martin, die Kunst und der Raum (Vortrag in d. Erkergalerie) Sonderdruck Erker, St. Gallen, (1969) ed. 1983, Ders. Technik und Heimat (Tonbandkopie vorh. D.S:) Knodt, Reinhard: Ästhetische Korrespondenzen; Denken im technischen Raum. Reclam, Stuttg. 1994; = Reclams Universalbibliothek, Philosophen des 20 Jh. Nr. 8986.(*) Ders: Carl Schmitt und der Begriff des Raumes, in: Philosophisches Jahrbuch d. Görres Gesellschaft, 98. Jg. 2. Halbband 1991, S. 321 - 334. / Weitere Angaben folgen an dieser Stelle!
    * Zu bestellen für 3.- per mail über: Rknodt@aol.com

Mögliche Referate u. Hausarbeiten
  • Schwerpunktbearbeitungen zu folgenden Themen und Einzeldarstellungen sind möglich: (Jede Kombination ist möglich! Prinzipiell kann auch über ein einzelnes der aufgeführten Werke ein Referat erstellt oder eine Hausarbeit geschrieben werden; in diesem Fall sollten die anderen in der jeweiligen Gruppe mit zu Rate gezogen werden. Der Schwerpunkt ergibt sich aus dem jeweiligen Interesse!):
  • 1. „Die geteilte Welt“: Zweiteilung des Raumes. (Bilder einer zweigeteilten Welt. Platos Höhlengleichnis, Plotins Rede von Licht und Schatten, Augustinus Gottesstaat, Dantes Divina Commedia, Carl Schmitt, Land und Meer, Heidegger Technik“ und „Heimat“
  • 2. „Kritik der europäischen Perspektive“: Grundlage Peter Sloterdiejk: Eurotaoismus (Ed. Suhrk 1450). (1 Referat)
  • 3. „Natur“: Dazu etwa: Gernot Böhme, „Natürlich Natur“ (über Natur im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit, P. Cornelius Mayer Tasch: Ein Netz für Ikarus (über den Zusammenhang von Ökologie, Politik und Ästhetik) Hans Martin Schönherr: Von der Schwierigkeit Natur zu verstehen. Ders. Hersg. Natur denken. (Ein Reader vom Altertum bis zur Gegenwart, sehr nützlich!); Ruth Groth: Weltbild und Naturaneignung. (Versch. Referate)
  • 4. Raumentwürfe: Heidegger, Kunst und Raum, Karl Schlögel: im Raume lesen wir die Zeit, Friedrich Bollnow, Mensch und Raum. Carl Schmitt: Land und Meer, Ders. Das Jus Europäum; Samuel P.Huntington: Kampf der Kulturen, Ulrich Beck, Was ist Globalisierung?
  • 5. Raum und Landschaft: Ausgangspunkt: Goethe, Wahlverwandschaften; „Landschaft“ (Reader Hg. v. M. Smuda st 2069) Hansjörg Küster Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa. C.H Beck 1999.)
  • 6. Raum - Technik (Konstruktion von Wirklichkeit – Städtebau, Architektur, Rationalisierung)
  • Albert Borgmann: Technology and the Character of Contemporary life, (University of Chicago Press) W. C. Zimmerli: Technologisches Zeitalter oder Postmoderne? (Fink, München, Alexander Mitscherlich: Die Unwirtlichkeit unserer Städte; Dolf Sternberger: Die Stadt als Urbild; Dieter Hoffmann Axthelm, Die dritte Stadt ed. Suhrkamp Frankf. 1993, Tilo Schabert: Stadtarchitektur – Spiegel der Welt. (Benziger Essay, Zürich 1990) Ders. Die Architektur der Welt, Fink 1997.
  • 7. Technische Zeit, Zeiterleben und Raum:
  • Günther Dux – die Geschichte der Zeit; (Suhrkamp 1989) Peter Bierei Zeit und Zeiterfahrung (Suhrk 1972) Rudolf Feig: Zeit, Zeitlichkeit, Zeiterleben, (Aufsätze über a. Schütz, Interpretationen zu Nietzsches 2. Unzeitgem. Betrachtung); G. Chr. Tholen: Zeit-Zeichen (Aufsätze z. Problem Maschinen u. Zeit, Medien u Zeit Maschinen und Medien, Zeitbewusstsein. Sandbote, Zimmerli, Baudrillard, Thomä; in: Zeit-Medien- Wahrnehmung Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1994.
  • Marianna Gronemeyer: Das Leben als Letzte Gelegenheit (Sicherheitsbedürfnisse und Zeitknappheit) Wiss. Buchgesellschaft Darmstadt 1993. (Einzelreferat)